2015/03/05

#belfie gefällig?

Das Internet spricht zwar gerade über #brelfies, aber ich mach erstmal #belfies oder so. Also ein Bild des grosses Bauchs, in dem Krümel grad des häufigen rumturnt und Rock'n'Roll tanzt.

Aber natürlich ist das Thema "#brelfie" auch für mich eins, das mich beschäftigt. In meinem AuPair Jahr  2000/2001 berichtete ich meiner Mama am Telefon noch vollkommen irritiert, das Stillende Mütter im amerikanischen TV einen schwarzen Balken bekamen und sich in der Öffentlichkeit zum Teil zum Stillen auf die Toilette zurückzogen.

Meine Mutter - in sich ein kleiner Feminist - meinte nur ganz trocken, die Männer, die damit ein sexuelles Problem haben oder überhaupt das als sexuelle Handlung ansehen, hätten mit sich ein Problem, nicht mit dem Akt als solchen. Das Füttern/Stillen des Babies sei nun mal von der Natur so vorgesehen und das Zumauern der Klos kam ja wohl erst sehr sehr viel später. Ich hatte damals keine Meinung dazu, fand aber, dass man durch den Balken, dem ganzen erst sexuelle Brisanz verleiht. Denn im Normalfall sieht man etwas Haut und Babykopf. Meist ist der Busen als solches ja gesamtheitlich durch Kind abgedeckt. Und selbst wenn nicht, ist der der daraus etwas sexuelles macht, der der das Problem erstmal iniitiert.

Das Problem scheint sich vor allem in den USA weiter verstärkt zu haben.
Stillende Mütter gehen da nun verstärkt auf die Barrikaden und versuchen mit ihren Still-Selfies das Thema sozusagen "normal" zu machen. "Stillen ist eine natürlich Sache" ist der Slogan. Traurig, dass man das so explizit thematisieren muss, oder?

Für mich ist das ganze Thema irritierend.

Erst neulich saßen mir im Rentner-Kaffee zwei junge Muttis gegenüber (also am gegenüberliegenden Tisch, nicht an meinem), die erstmal ihr Kind stillten, bevor sie zum Kaffeetrinken über gingen. Dabei waren sie ganz natürlich und ich fand nichts irritierendes an der Szene. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Anwesenden, zwei brüllende Babys als angenehmer empfunden hätten, als ruhige zufriedene. Das Ganze lief reichlich ereignislos ab, denn Mamis haben da wohl schnell Routine. StillShirt aufgeknöpft, Still BH fertig, Kind angelegt, Baby zufrieden. Und danach, alles wieder an Ort und Stelle, Babys waren happy und glucksend. Mamis konnten entspannen und ihr Kaffeekränzchen halten.  Die Bestellung wurde mit Kind an Brust aufgegeben und da keiner deswegen eine Szene gemacht hat, war alles furchtbar normal.

Ich habe mich NIE gestört gefühlt, ausser das hormonell bedingt meine Augen halt immer zu den süssen Babys huschten. Das kann ich im Moment nicht abstellen.

Die Szene in den USA kann ich mir so sehr schlecht vorstellen. Alle stillende Mütter, die ich da kannte oder gesehen hatte, hatte einen riesigen Schal oder ein Tuch, das den vorderen Bereich komplett abdeckte. Babys tranken da unter Abdeckung. Zusätzlich drehten sich alle in eine Ecke. Alle stillenden Mütter nahmen überhaupt immer den Tisch in der Ecke, abseits von allen anderen. Nicht wenige gingen zum Stillen aufs stille Örtchen. Aber mal ehrlich wer will schon auf dem Klo Nahrung zu sich nehmen. Die ganze Idee erscheint mir absurd.

Früh sprangen auch "Star"Mamas auf den Zug auf:


Ob ich jetzt der Meinung bin, dass die Welt mehr stillende Mütter in SelfiePose braucht? Ich bin ja der Meinung Selfies überhaupt braucht die Welt nicht. Ich zumindest poste von mir wenn nur die relevanten Stellen, im Moment halt der Bauch. Aber allein der riesige Zuspruch, aber auch die immer währende Diskussion zeigt, dass der Inhalt "Stillen in der Öffentlichkeit" längst noch nicht überall normale Realität ist und da ist mir eigentlich jedes Mittel - vor allem auch Photos - recht. Denn alles andere ist doch totaler Quark.

Anderer Meinung war da vor kurzem Facebook, die versuchten Stillbilder, aus dem Timelines der User zu verbannen. Nach einer Protestwelle wurde dann davon abgesehen. Aber es zeigt, dass "Stillen" nicht überall in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Ich sage ja immer, würden Männer stillen, wäre das Ganze so normal, wie bei körperlicher Arbeit das T-Shirt ausziehen. Denn das ist ja auch nur für Männer gesellschaftlich akzeptabel.

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